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Extremwetter: Sind die Feuerwehren gerüstet?

 

So gehen die Einheiten im Kreis MYK mit Folgen von Hitzewellen, schweren Gewittern und Starkregen um

Von unserem Redakteur Damian Morcinek

Kreis MYK. Wie schnell ein Feld, ein Waldgebiet oder ein Weinberg bei extremer Trockenheit in Flammen stehen kann, ist zuletzt bei Bränden in Rhens, Koblenz-Rübenach oder an der Untermosel deutlich geworden. Doch nicht nur die Folgen der Hitze stellen die Feuerwehren immer wieder vor Extremsituationen, sondern auch punktuelle Starkregenereignisse wie zuletzt in Hatzenport und auf dem Maifeld oder in Neuwied. Die RZ hat nachgefragt, wie die Wehren im Kreis Mayen-Koblenz für selche Extremfälle gerüstet sind.

Michael Gohmann, Wehrleiter in der Verbandsgemeinde Rhein-Mosel, hat gemeinsam mit den dortigen Wehreinheiten ebendiese Extreme in den vergangenen Wochen erlebt. Enorm zu kämpfen hatten die Wehrleute in der vergangenen Woche beim Flächenbrand auf einem Getreidefeld zwischen dem Rhenser Ortsteil Schauren und dem Kronenhof, der durch einen bei der Ernte in Brand geratenen Traktor ausgebrochen war. Gerade an abgelegenen Orten wie diesem ist die Feuerwehr auch auf die Unterstützung der Landwirte angewiesen, sagt Gohmann. „In vielen Außenbereichen bitten wir darum, mit Wasser befüllte Fässer stehen zu lassen, um Wasser nachtanken zu können“, erläutert der Wehrführer. Dass die extremen Temperaturen im Sommer die Vegetation austrocknen lassen, ist aus Gohmanns Sicht aber nur eine Seite der Medaille – auf der anderen sind da die Wehrleute, die mit dieser und jener Hitze der Feuersbrunst umgehen müssen. Drei Wehrleute, so berichtet er, mussten beim Einsatz in Schauren medizinisch versorgt werden – allen geht es mittlerweile wieder gut. Mehr als vorbereitet zu sein und zu reagieren könne man aber nicht machen. „Wir können keine Felder oder Wälder bewachen, das ist nicht zu leisten und finanziell nicht zu stemmen“, sagt Michael Gohmann und berichtet, dass die Wehren in puncto auf die vermehrten Starkregenereignisse nicht unbedingt auch mehr Technik vorhalten, sondern die vorhandene Technik konzentrieren. „Wir bauen uns dann ein leistungsfähiges Logistiksystem auf.“

In der VG Weißenthurm, so berichtet der dortige Wehrleiter Arnd Lenarz, wurden die Wehreinheiten nach Überflutungen durch Regenfälle verstärkt mit leistungsfähigen Pumpen ausgerüstet. „Das werden wir auch im Auge behalten und gegebenenfalls weiter nachrüsten“, sagt Lenarz, der betont, dass die Feuerwehr aber nur bis zu einem gewissen Grad helfen kann. „Unter 5 Zentimeter Ansaughöhe ist es am Bürger selbst, sich zu helfen.“ Gut gerüstet sind die Wehrleute in der VG Weißenthurm auch bei Flächenbränden, von denen sie nach Lenarz' Angaben in diesem Sommer bereits weit mehr als ein Dutzend – wenn auch nur kleinere – löschen mussten. So sind die beispielsweise im Besitz eines Tanklöschfahrzeugs (TLF) 20/40 SL mit speziellem Pump-und-Roll-Betrieb. Das Fahrzeug kann 4000 Liter Wasser und 600 Liter Schaummittel fassen und über Bodendüsen im Frontbereich sogar während der Fahrt löschen – und sich damit selbst sowie die Insassen vor dem Feuer schützen. „Das Fahrzeug ist zudem geländegängig – das hat sich bewährt“, betont Wehrleiter Lenarz.

Wo die Pumpen der Feuerwehr der Stadt Andernach mit einer Ansaughöhe von 10 Zentimetern nicht mehr greifen, können die Wehrleute im Fall von Überflutungen seit einiger Zeit auf Wassersauger zurückgreifen, die extra dafür angeschafft wurden. Der stellvertretende Wehrleiter Bernd Mathias gibt jedoch zu bedenken, dass die Wehr trotz dieser Ausrüstung nicht mit einer Reinigungsfirma zu verwechseln ist. Wo Bürger sich selbst oder gegenseitig helfen können, sollte dies auch getan werden. Flächenbrände musste die Andernacher Wehr in diesem Sommer glücklicherweise noch nicht bekämpfen. „Wir hatten nur schon ein paar Fehlalarme, weil die Bevölkerung angehalten ist, aufmerksam zu sein, und Staubwolken schon mal mit Qualm verwechselt werden“, berichtet Bernd Mathias.

Mit mehreren hochwertigen Schmutzwasserpumpen, die auch Schlamm pumpen können ist die Feuerwehr der Stadt Bendorf „sehr gut“ für Einsätze nach Starkregen ausgerüstet, betont Wehrleiter Markus Janßen. Nicht anders sieht es bei Waldbränden aus. Für solche Fälle wurde die Wehr nicht nur mit geländegängigen Fahrzeugen, sondern auch mit Löschrucksäcken ausgestattet. „Damit kann man einen Wasservorrat von knapp 30 Litern über eine feine Düse verteilen. Das ist sehr effektiv“, sagt Janßen.

In und rund um die Stadt Mayen hatte die dortige Feuerwehr bereits zu Beginn der Sommerferien mit vereinzelten kleineren Flächenbränden zu tun. Auf Vegetationsbrände ist man dort aber gut vorbereitet, betont Wehrleiter Andreas Faber. „Wir haben entsprechende Löschfahrzeuge zur Waldbrandbekämpfung, aber auch aufgrund der hiesigen Papierindustrie. Die Fahrzeuge können große Löschwassermengen fassen und sind mit Wasserwerfern bestückt“, berichtet Faber. Was Starkregenereignisse angeht, hält die Wehr zwei Rollcontainer mit leistungsstarken Pumpen vor. Und wenn die nicht mehr ausreichen, setzt man auf Hilfe aus dem Umland, wie etwa aus der VG Maifeld, wo den Feuerwehren zwei spezielle Anhänger zur Verfügung stehen, die 3000 Liter Schmutzwasser und Hagel pro Minute abpumpen können. „Nur gemeinsam sind wir stark“, betont Faber.

Montag, 16. Dezember 2019

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