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Feuerwehren setzen auf digitale Weiterbildung


Verband und Volksbank sammeln für Anschaffung neuer Schulungstechnik
M Region. Sieht man einmal von unserem Nachbarland Österreich ab, ist die deutsche Organisation der Feuerwehren weltweit einzigartig – und vor allem vorbildlich. Um die flächendeckende Brandbekämpfung und -prävention in den freiwilligen Einheiten auch in Zukunft zu gewährleisten, geht der in Koblenz beheimatete Landesfeuerwehrverband einen neuen Weg: Die Führung will mit dem Ausbau von Weiterbildungsangeboten begeistern und dabei auch die digitale Welt besser erschließen.
Frank Hachemer räumt ein, dass die Corona-Krise einiges beschleunigt hat, betont aber gleichzeitig, dass es schon immer geplant war, klassische und digitale Vermittlungsformen miteinander zu kombinieren und zu vernetzen. Der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz erhofft sich vor allem Vorteile für Feuerwehrangehörige aus dem ländlichen Raum, die oft längere Anfahrtwege zur Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Koblenz in Kauf nehmen müssen. Auf dem Gelände befindet sich nämlich nicht nur die Geschäftsstelle ihres Verbands, sondern auch die „Schulungsinfrastruktur“ für die theoretischen und praktischen Weiterbildungsmaßnahmen. Dabei wird es, betont Frank Hachemer, auch bleiben, doch soll neue Kommunikationstechnik künftig einiges einfacher machen.
Man bedenke: Die Wehrleute versehen ihren Dienst neben ihrem regulären Beruf, da ist es günstig, wenn hin und wieder die Zeitplanung justiert werden kann. Das Problem ist nur, dass die Aussichten auf zusätzliche Mittel in Zeiten knapper Landeskassen eher bescheiden sind. Deswegen reifte die Idee, in Zusammenarbeit mit der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel unter der Devise „Viele schaffen mehr“ eine sogenannte Crowdfunding-Aktion ins Leben zu rufen, um im Internet für das Projekt zu werben und Spenden einzusammeln. Da trifft es sich gut, dass die Volksbank bereits seit einiger Zeit erfolgreich eine entsprechende Plattform betreibt. 56 Projekte wurden und werden darüber unterstützt. Insgesamt spendeten mehr als 3700 Förderer bislang 175 000 Euro. Und was macht die Volksbank? Sie stellt nicht nur die Plattform, sondern sie gewährt nach dem Ablauf der Präsentationsfrist einen kräftigen Aufschlag. Es bleibt die Frage, was nun der Landesfeuerwehrverband braucht. „Etwa 10 000 Euro“, schätzt Präsident Hachemer. Das Geld wird vor allem für Kameras und Übertragungstechnik benötigt. Bislang wurden über „Wir schaffen mehr“ rund 5580 Euro eingesammelt, wobei die Frist erst in neun Tagen abläuft.
Die Tatsache, dass der benötigte Betrag relativ überschaubar ist, begründet Frank Hachemer damit, dass vielseitige Kompetenzen in den eigenen Reihen vorhanden sind. Denn unter den Feuerwehrleuten gibt es natürlich auch Spezialisten für Hard- und Software. Wenn alles fertig ist, will der Verband Schwerpunkte bei der digitalen Weiterbildung setzen. Denn das Trainieren von Einsätzen kann das Programm natürlich nicht ersetzen. Es richtet sich deshalb vor allem an die freiwilligen Feuerwehrleute mit Führungsverantwortung – und solche, die es werden wollen. Für sie können beispielsweise Schulungsinhalte in den Bereichen Organisation und Menschenführung entsprechend aufgearbeitet werden. Für Frank Hachemer sind die Zeiten des autoritären Führungsstils endgültig vorbei. Für ihn geht es darum, die ehrenamtlichen Kräfte bei der Stange zu halten und Interessenten dazuzugewinnen. Eine anspruchsvolle Aufgabe, weil nicht nur an der Technik, sondern an der Methodik gefeilt werden muss, zumal das kameradschaftliche Miteinander immer noch das wichtigste Motiv ist, sich in der freiwilligen Feuerwehr zu engagieren. Reinhard Kallenbach
Interessensvertretung für landesweit 50 000 freiwillige Feuerwehrleute
Der Landesfeuerwehrverband (LFV) Rheinland-Pfalz ist die Dachorganisation der Feuerwehren in Rheinland-Pfalz. Er vertritt die Interessen der freiwilligen Feuerwehren, in denen sich landesweit rund 50 000 Wehrleute ehrenamtlich engagieren.
Bekanntlich ruht der Brand- und Katastrophenschutz in Deutschland auf zwei Säulen: den Berufsfeuerwehren, die es in größeren Städten gibt, und den Feuerwehren mit ehrenamtliche Kräften. Die freiwilligen Wehren bilden gemeinsam die wohl größte Bürgerinitiative in Deutschland. Ihr Organ ist der Verband.
Regional wirken die Stadt-, Kreis- und Regionalfeuerwehrverbände, auf Länderebene die LFV. Das „Dach“ ist der Deutsche Feuerwehrverband (DFV). Er vertritt die Feuerwehrinteressen auch auf Europaebene. Der LFV vertritt alle Mitglieder gegenüber der Politik in Land und Bund. Seine Arbeit geht weit über organisatorische und technische Fragen hinaus. So sind Aus- und Weiterbildung zentrale Aufgaben.

Mittwoch, 25. November 2020

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